Der alte Neersener Marktplatz wurde nach den „Minoriten“, einem nach der Regel des Heiligen Franziskus lebenden Männerordens, benannt, die hier im Jahre 1658 eine Ordensniederlassung gründeten und bis zur Aufhebung der Klöster in der Franzosenzeit wirkten. In einer Urkunde vom 25. März 1652 stifteten der auf Schloß Neersen sitzende Freiherr Adrian Wilhelm von Virmond und seine Frau Johanna Catharina von Bongardt den Bau einer der Jungfrau Maria gewidmeten Kirche in Neersen. Um die Unterhaltung seiner Kirche zu sichern, versuchte Adrian Wilhelm, den ihm bekannten Guardian des Bonner Minoritenklosters, Honorius von der Ehren, zur Gründung einer Ordensniederlassung an der Kirche zu bewegen, was ihm schließlich auch gelang.
Am 6. Mai 1658 wurde dem Orden der Besitz über die Kirche und ein Baugrundstück für das Kloster übertragen. Schließlich erteilte auch Erzbischof Maximilian Heinrich von Köln den „Franziskaner-Ordens-Konventualen“, so die offizielle Bezeichnung der Minoriten, die Erlaubnis zur Errichtung einer Ordensniederlassung in Neersen. Die Mitglieder des Ordens entfalteten eine eifrige gottesdienstliche und seelsorgerische Tätigkeit, nicht nur in Neersen, das noch bis 1798 zur Pfarre Anrath gehörte, sondern auch in benachbarten Dörfern. Diese Tätigkeit, welche sich seit 1768 auch auf’ die Betreuung der Kapelle ‚Klein-Jerusalem‘ erstreckte, wurde mit der Besetzung des Rheinlandes durch die französischen Revolutionstruppen beendet. Bereits 1802 wurden alle Einkünfte und die meisten Wertgegenstände des Klosters beschlagnahmt.
Es dauerte jedoch noch zehn weitere Jahre, bis das Klostergebäude mit Garten und Kirche der Zivilgemeinde Neersen übertragen wurde. Der letzte Guardian des Klosters, Quirin Eggerath, wurde erster Pfarrer der neuen Pfarrgemeinde Neersen. 1906 beschloss der Gemeinderat, den Schulpfad, der sich in einem unbefestigten Zustand befand und nach Meinung des Bürgermeisters eine „Unzierde“ für die Ortschaft darstellte, grundlegend zum Marktplatz umzugestalten. Der Platz wurde gepflastert, kanalisiert und mit Bäumen bepflanzt. Es wurde auch eine Litfaßsäule aufgestellt, die in dieser Zeit als wichtiger Informationsträger galt. Zur Begründung dieser Maßnahme führte der Rat an, dass der bislang auf dem Marktplatzgelände aufgebrachte Sand sich bereits zu einem Schlammbelag entwickelt habe und daher die Marktbesucher ferngeblieben seien.
Im Dritten Reich hieß der Platz ‚Adolf- Hitler-Platz‘, nach Kriegsende wieder ‚Marktplatz‘. Schon vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde Neersen geplant, das Haus der Erben Hoch an der Ecke ‚Marktplatz/Eichenweg‘ zu erwerben, um den Platz nach erfolgtem Abriss erweitern zu können. Am 7. Oktober 1948 wurde der entsprechende Kaufvertrag geschlossen. Für den Neubau der Katholischen Pfarrkirche mussten im Oktober 1960 die Häuser Marktplatz 1 und Marktplatz 3 abgebrochen werden. Mitte der 1960er Jahre avisierte die Gemeinde Neersen eine großzügige Neugestaltung des Marktplatzes samt Bau zahlreicher öffentlicher Gebäude, unter anderem eines neuen Rathauses.
Die Planung sah vor, den Marktplatz zu verbreitern und einen zentralen Platz von 120 mal 90 Metern Größe zu schaffen. Um diesen herum sollten zahlreiche öffentliche Gebäude gruppiert werden. Für den avisierten Rathausneubau musste neben zwei alten Wohnhäusern auch die Knabenschule abgerissen werden. Erhalten blieb dagegen die Friedenseiche. Aus dem von der Gemeinde Neersen in Auftrag gegebenen Planungswettbewerb ging Dr. Orth aus Bensberg zwar nicht als Sieger hervor, trotzdem entschied sich der Rat für seine Planung, die jedoch aufgrund der anstehenden Kommunalen Neugliederung auf Eis gelegt werden musste. Einzig das Postamt und das benachbarte Wohn- und Geschäftshaus wurden realisiert. Pro Forma verabschiedete der Gemeinderat im März 1969 noch den Bebauungsplan Nr. 6 (Ortsmitte), der jedoch nach 1970 keine Berücksichtigung mehr fand.
Im Rahmen der Kommunalen Neugliederung musste 1970 eine Neubenennung erfolgen, da es in Willich ebenfalls einen Marktplatz gab. Dabei setzte sich der Name Minoritenplatz gegen zahlreiche andere Vorschläge durch, so ‚Am Minoritenkloster‘ (Vander), ‚Vogtplatz‘ (SPD) und ‚Konrad-Adenauer-Platz‘ (Neersener Ratsvertreter). Bereits 1981 wurden erste Planungen für eine Neugestaltung des Neersener Ortskerns vorgestellt worden. Zu diesem Zeitpunkt stand noch der Ausbau des Minoritenplatzes zum neuen Zentrum im Mittelpunkt. Hier sollten unter anderem ein Bürgerhaus für Vereinsversammlungen und etwa 90 neue Wohneinheiten entstehen. Doch erst neun Jahre später wurden die Planungen wieder aufgegriffen, die schließlich in eine Satzung mündeten, welche am 26. November 1991 vom Rat verabschiedet wurde. Den Mittelpunkt der Maßnahme bildete jetzt nicht mehr der Ausbau des Minoritenplatzes zum Ortszentrum, sondern die Verkehrsberuhigung und Sanierung der ‚Hauptstraße‘ auf ihrem Abschnitt zwischen ‚Schloßweg‘ und ‚Kirchhofstraße‘.
Erst im September 2007 beschäftigte sich der Planungsausschuss wieder mit dem Platz: Es wurde der Entwurf des Düsseldorfer Investors Schmalenbach vorgestellt, der einen Gebäudekomplex entlang des ‚Rothwegs‘ und des Minoritenplatzes vorsah. Kernstück des Gebäudekomplexes war ein Supermarkt der Kette Kaiser’s auf einer Fläche von 1.100 qm. Auf der übrigen Erdgeschossfläche sollten weitere Ladenlokale entstehen. In den drei Obergeschossen waren insgesamt 25 barrierefreie Altenwohnungen vorgesehen. Neben dem Gebäude beabsichtigte der Investor die Errichtung eines Parkplatzes mit 92 Stellflächen. Die Realisierung des Projektes wurde für die Jahre 2008/2009 avisiert. Im August 2008 segnete der Planungsausschuss das vorgelegte Konzept ab, obwohl es im Vorbereich massive Proteste von Anwohnern gegeben hatte.
Mit den Bauarbeiten wurde aufgrund von Änderungen in der Planung jedoch erst im Dezember 2009 begonnen. Neu in der Planung war eine Reduzierung der Seniorenwohnungen auf 23 und der Bau einer Tiefgarage. Die offizielle Grundsteinlegung erfolgte am 13.3. 2010.
Am 16.11.2011 wurden im Planungsausschuss die Pläne für die Umgestaltung des Minoritenplatzes vorgestellt. In der Neersener Bevölkerung stießen die Pläne auf weitgehende Ablehnung, dies betraf vor allem den ‚Roten Platz‘ vor der Volksbank. Trotzdem wurden die Planungen umgesetzt und der Minoritenplatz 2013 entsprechend umgestaltet. Der Versuch dem ‚Roten Platz‘ einen neuen, offiziellen Namen zu geben, scheiterte im Winter 2021/22. Am 20. Januar entschied der Haupt- und Finanzausschuss, dass auch für ihn die Bezeichnung Minoritenplatz gelte.
Der Minoritenplatz verläuft von der ‚Hauptstraße‘ in südöstliche Richtung bis zum ‚Eichenweg‘ und wird dort in Verlängerung zur ‚Verresstraße‘. Marktplatz (-1933), Adolf-Hitler-Platz (-1945), Marktplatz (-1972), Minoritenplatz Ne/IV/1701, 1198, 1599, 708, 1700 (s.a.Haus Erben)
Ne/II/915, 1751(Grußkarte)
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