Die Hauptstraße stellt gleichzeitig Ursprung und Zentrum der Gemeinde Neersen dar. Auf Karten aus dem 16. Jahrhundert kann man erkennen, daß Neersen eindeutig ein um die Hauptstraße entstandenes Straßendorf ist. Die älteste bekannte Ortsbezeichnung ist „Neersstraß“, Straße an der Niers. Das Teilstück vom Schloss in Richtung Mönchengladbach bezeichnet Verres 1878 als “Alte Straß”. Diese kreuzt die Cloer und führte über die sogenannte „Franzosenbrücke” in Richtung Mönchengladbach. Der Abschnitt vom Schloss bis zur Kirchhofstraße wird auf einer Karte von 1886 mit Dorfstraße bezeichnet.
An ihr entlang entwickelte sich ab ungefähr dem Jahr 1400 die Siedlung. In den Jahrhunderten zuvor gab es einzig und alleine die Burg der Herren von Neersen, später der Herren von Virmond. Es waren dann auch Leibeigene der Burgherren, die sich als erste ansiedelten, später kamen dann auch Kleingewerbetreibende und Handwerker dazu.
1570 wurden gerade einmal 30 heußlein oder guetgen gezählt. Im 17. Jahrhundert dürfte die Siedlung dann bereits aus rund 50-60 Häusern bestanden haben. Diese standen vor allem entlang der Hauptstraße, einige wenige auch an der ‚Kickenstraße‘ und der ‚Neustraße‘. Gegen 1810 war die Bebauung der Hauptstraße abgeschlossen. Weitere Häuser entstanden dann entlang der Hauptstraße Richtung Schwarzer Pfuhl. Die meisten Häuser dieses Abschnitts wurden bis 1900 gebaut.
1795 befahl Napoleon den Ausbau der Heerstraße von Aachen nach Krefeld. Als problematisch erwies sich dabei vor allem das durch Moor und Bruch führende Teilstück zwischen Gladbach und Neersen. Mit der Durchführung der Arbeiten wurde Oberst Lagastine vom Genie-Korps beauftragt. Im Bereich zwischen Neersen und Abtshof wurden Eichenbäume aneinandergereiht, um der Chaussee eine feste Grundlage zu geben. Dafür wurden Waldungen in Neuwerk und im Büttgerwald abgeholzt. Die Chaussee wurde wahrscheinlich 1804 fertiggestellt.
Der Zustand der Hauptstraße im Neersener Ortskern war dagegen noch bis ins 19. Jahrhundert hinein katastrophal. In der Franzosenzeit wurde der Weg als so schlecht bezeichnet, das er teilweise nur passierbar war, wenn er vorher mit Holzbündeln befestigt wurde. 1826 wurde die Hauptstraße dann endlich gepflastert.
In einem Ausbauplan von 1907 taucht dann auch der heutige Name Hauptstraße auf. Im Dritten Reich wurde die Hauptstraße umbenannt in Hindenburgstraße. Im November 1945 erhielt sie wieder ihren alten Namen.
1954/1955 wurde die Hauptstraße zwischen Schloss und Schwarzem Pfuhl kanalisiert und mit einer neuen Fahrbahndecke versehen.
Bereits in dieser Zeit wurde massive Kritik an dem starken Durchgangsverkehr auf der Hauptstraße laut. Im August 1960 antwortete Oberkreisdirektor Müller auf eine Beschwerde des Neersener Pfarrers Leuchter: „Die Verkehrsprobleme auf der Bundesstraße 57, die durch den Ortskern Neersen führt, sind hier bekannt. Mit allen polizei- und ordnungsrechtlich zu Gebote stehenden Mitteln ist bisher versucht worden, die Erschwernisse, die in der Straßenführung begründet sind, auf das geringste Maß zu beschränken. Eine weitergehende Minderung der Gefahrenquellen läßt sich in der augenblicklichen Situation kaum erreichen… Hier kann eine völlige Gefahrenbeseitigung nur durch den Bau einer Umgehungsstraße erreicht werden.”
Am 25.Oktober 1962 leitete der Regierungspräsident das Planfeststellungsverfahren ein, womit die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau der Umgehung Neersen geschaffen wurden.
Die sogenannte „Umgehung Neersen”, erster Abschnitt der zukünftigen A 44, wurde am 9.10.1968 dem Verkehr übergeben und brachte der Hauptstraße umgehend eine spürbare Entlastung.
Für den Bau der neuen Pfarrkirche mussten die Gebäude des alten Minoritenklosters, Hauptstraße 36 und Hauptstraße 38, im Herbst 1960 abgerissen werden.
Im März 1969 sprach sich der Gemeinderat gegen eine Erhaltung der historischen Häuserzeile Hauptstraße 59 bis 81 aus. „Der Wirtschaftlichkeit müsse gegenüber dem bisherigen Ortsbild der Vorrang gegeben werden”. Der neue Bebauungsplan sah eine zurückverlegte dreigeschossige Bebauung vor. Im Rahmen der Kommunalen Neugliederung 1970 musste die Krefelder Straße, von der Einmündung Kirchhofstraße bis zum Schwarzenpuhl umbenannt werden. Dieser nördliche Teil wurde der Hauptstraße zugeschlagen. In Willich gab es eine Straße gleichen Namens mit mehr Anwohnern. Nach zahlreichen Unfällen erhielt die Kreuzung Hauptstraße-Virmondstraße-Rothweg am 16. November 1982 eine Ampelanlage.
1984 kam es zu einem Disput zwischen Willich und Mönchengladbach bezüglich des Status der Hauptstraße (B 57). Um den Schwerlastverkehr von der Hauptstraße zu holen, forderte Willich eine Abstufung der Hauptstraße im Bereich zwischen Schwarzenpfuhl und dem Supermarkt “massa” auf Gladbacher Gebiet. Diese Abstufung konnte jedoch nur von beiden Städten gemeinsam vorgenommen werden. Die Stadt Mönchengladbach erteilte den Willicher Wünschen jedoch eine Absage, da ihrer Ansicht nach die Belieferung der auf ihrem Gebiet gelegenen Unternehmen (u.a. Massa, Heinemann, Nellen & Quack).
1990 folgte ein Streit mit den Nachbarn Viersen und Mönchengladbach. Als die Stadt ein Durchfahrtverbot für schwere LKW erließ (vor allem für jene des Niersverbands) legten diese Beschwerde ein, weil sich damit der Schwerlastverkehr auf ihre Straßen verlagern würde. Der Regierungspräsident ordnete daraufhin an, das Durchfahrtsverbot in Neersen wieder aufzuheben.
Mitte der 90er Jahre änderte die Hauptstraße zum vorerst letzten Mal ihr Gesicht, als sie im Rahmen der Ortskernsanierung aller Stadtteile verkehrsberuhigt wurde. Die Neersener Ortskernsanierung wurde im September 1996 abgeschlossen, wobei sich bei der neuen, zum Teil sehr beengten Straßenführung Lob und Kritik die Waage hielten. Im März 2024 beschloss der Planungsausschuss, auf der Hauptstraße in Höhe der Kapelle Klein-Jerusalem zwei Querungshilfen zu errichten. Ausgangspunkt war eine Petition der Anwohner an den Landtag im Jahr 2019, in der die Gefahrenlage beim Queren der Straße bemängelt wurde.
Die Hauptstraße verläuft von der ‚Beckershöfe‘, kurz hinter dem Flöthbach (Willicher Fleuth), in südwestliche Richtung durch den Ort und biegt am Schloss Neersen in südliche Richtung ab. Etwa auf der Höhe der Einmündung zur ‚Grunewaldstraße‘, wird sie dann zur ‚Krefelder Straße‘, die dann weiter nach Mönchengladbach führt. Dorfstraße (bis Kirchhofstraße), Hauptstraße/Krefelder Straße (bis Schwarzenpfuhl) (-1933), Hindenburgstraße (-1945), Hauptstraße/Krefelder Straße (-1970), Hauptstraße
Ne/IV/1728, 1400, 928, 921, 931, 1766, 27, 705, 1168, 922, 923, 927, 1431(Ecke Minoritenplatz), Ne/XV/1733 Ne/II/972 (Grußkarte)
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