Die „Bahnstraße“ verläuft aktuell vom ‚Markt‘ über den Kreisverkehr bis zum ‚Alleenradweg‘ (alte Bahnlinie), um in die Anrather Straße überzugehen. Sie ist trotz der Umgehungsstraße L 26 (Kempener Straße) die meistbefahrene Straße im Ort.
1833 hieß die Bahnstraße ab ‚Langels Poort‘ – nach dem an der Kreuzung Burgstraße / Mühlenstraße gelegenen alten Stadttor – zunächst Sankt-Töniser-Straße, dann Bahnhofstraße, von 1936 bis 1945 Adolf-Hitler-Straße und danach zum ersten Mal Bahnstraße.
Die mittelalterliche Bebauung Willichs verlief bis zur Kreuzung Bahn-, Burg- und Mühlenstraße. Dort begrenzten Wall und Graben die Besiedelung. Durch den Bau der Bahnlinie wurde die Straße geteilt. Im Volksmund wohnten diejenigen, deren Häuser zur Ortsmitte hin lagen, ‚vor de Barriere‘, die anderen ‚henger de Barriere‘.
Nach der Reichsgründung entstanden zwischen ‚Markt‘ und heutigem Kreisverkehr zahlreiche repräsentative Gebäude; die Bahnstraße wurde zur Renommiermeile. Auch aus diesem Grund ließ Carl-August von Eßen, Mitglied des Gemeinderates und Besitzer einer Spritreinigungsanstalt, 1874 die alte ‚Langels Poort‘ -das alte Stadttor- abreißen und baute aus den alten Steinen eine Halle. Ende der 1870er Jahre ebbte der Bauboom merklich ab.
1871 wurde das erste Krankenhaus an der „Bahnstraße 26“ gebaut. 1961 entstand dahinter ein neues Haus mit dem Namen ‚Katharinen-Hospital‘. Das alte Haus wurde 1971 abgebrochen. Nachdem das neue Gebäude an 2014 nicht mehr als Krankenhaus genutzt wurde, kam es 2019/2020 zum Abriss. Auf dem Gelände entsteht zukünftig eine Wohnbebauung.
Vom heutigen Kreisverkehr bis zum Bahnhof existierte die Bahnstraße viele Jahrzehnte lang als schlammiger, unbefestigter Feldweg. Ab 1899 erhielt sie eine neue Pflasterung aus Basaltsteinen. Gleichzeitig wurden auch Gehwege angelegt.
Zwischen 1961 und 1964 wurde die Bahnstraße im Bereich ab Grunewallstraße bis zum Bahnübergang begradigt, verbreitert und mit einer Einstreudecke befestigt. Die beiden Bürgersteige wurden plattiert.
1993 wurde der Kreisverkehr fertiggestellt. Zuvor war der Verkehr durch Ampelanlagen geregelt worden. Schon 2018 war aufgrund des starken Fahrzeugverkehrs eine Sanierung des Kreisverkehrs erforderlich.
Von 1890 bis ca. 1990 gab es auf der Bahnstraße 521 Gewerbetreibende.
Hier ein Ausschnitt:
52 Gastwirte 12 Obst-/ Gemüsehändler 5 Maler / Anstreicher 44 Lebensmittelhändler 11 Apotheker 4 Juweliere, Uhrmacher 38 Textilhändler 9 Zahnärzte 4 Blumenhändler 21 Metzger 7 Versicherungen 3 Tankwarte 20 Friseure 5 Banken 2 Optiker 16 Imbisswirte 6 Schlosser 2 Schneider 15 Handel m. Zeitungen, Lotto 6 Installateure 2 Destillerien 15 Bäcker 6 Drogisten 1 Hutmacherin 13 Ärzte 5 Schuster
1833 Sankt-Töniser-Straße
Bahnhofstraße
1936 Adolf-Hitler-Straße
1945 Bahnstraße
