Martin Rieffert (* 10.06.1855, † 11.11.1928) war von 1887 bis 1923 Bürgermeister der Gemeinde Willich.
Die Martin-Rieffert-Straße verläuft von der Peterstraße in Nord-Südrichtung bis zur Neusser Straße und hieß ursprünglich Wilhelmstraße. Am 20.06.1930 beschloss der Gemeinderat Willich, die Wilhelmstraße in Martin-Rieffert-Straße umzubenennen.
1891 erhielt die Wilhelmstraße eine Pflasterrinne. Zwischen 1922 und 1926 wurden entlang der Straße die zweigeschossigen Siedlungshäuser Hausnummern 51-77 sowie Osterather Straße 4-8 von der damaligen Gemeinnützigen Aktien-Baugesellschaft für den Landkreis Crefeld errichtet. Diese Siedlung setzte sich zusammen aus drei aneinander gebauten Vierfamilienhäusern an der Osterather Straße, die sich an das bereits vorhandene Eckgebäude anschlossen, sowie einem kleineren Doppelhaus und drei Vierfamilienhäusern an der Wilhelmstraße.
Parallel dazu wurde 1925 mit der Verlängerung der Wilhelmstraße zur Neusser Straße begonnen. Die Maßnahme wurde offiziell am 05. Juni 1926 beendet. Damit hatte die Gemeinde Willich einen alten Schandfleck entfernt, da hier vor Beginn der Ausbauarbeiten neben einem Schutthaufen auch ein Ringofenbetrieb stand.
Bis zum Ausbau der Düsseldorfer Straße im Jahr 1931 verlief der Durchgangsverkehr nach Osterath über die Brauerei- und die Osterather Straße. Auch später noch war das sogenannte ‚Gummi-Eck‘, also die Kreuzung ‚Brauereistraße / Martin-Rieffert-Straße‘ wegen ihrer Unübersichtlichkeit ein Unfallschwerpunkt. (Der Name ‚Gummi-Eck‘ resultiert nach Überlieferungen daraus, dass sich hier früher arbeitslose Jugendliche versammelten, bis sie von der Polizei mit Gummiknüppeln vertrieben wurden.)
Im Herbst 1936 erhielt die Straße Kanalisation, Bürgersteige, Bordsteine und Rinnenpflaster. In den Jahren 2002 / 2003 erfolgte eine komplette Sanierung. Der Kreis erneuerte den Straßenbelag, die Stadt ließ neue Kanäle verlegen und die Gehwege sanieren. Die Kosten der Maßnahme betrugen 460.000 € für den Straßenbau und 515.000 € für Kanäle, Gehwege und Beleuchtung.
2003 sorgte der Plan der GWG des Kreises Viersen, die alten Siedlungshäuser aus den 1920er Jahren zugunsten eines Supermarktes abzureißen, für heftige Proteste der Anwohner. Nachdem dieser Plan 2005 wieder verworfen wurde, veräußerte die GWG die Immobilien an die Paschertz Grundstücks GmbH. Diese beschloss, die Siedlungshäuser zu sanieren. Auf den großzügigen Grundstücken der Altbauten plante die GWG die Errichtung mehrerer Häuser (heute eine Stichstraße der Neusser-Straße als Sackgasse). 2006 wurden dort die ersten Häuser gebaut und 2020 / 2021 die letzten.
Auf der Wilhelmstraße -heute Martin-Rieffert-Straße Nr. 6- hatte 1888 Matthias Niskes eine Metzgerei. Seine Tochter Elisabeth bewirtschaftete im Nebenhaus eine Einraum-Gaststätte. Sie heiratete Karl Schopen, und das Ehepaar baute 1908 dort einen Tanzsaal, in welchem bis zu den Kriegsjahren 1940 Tanzveranstaltungen stattfanden. Nach dem Krieg wurde der Saal nicht mehr geöffnet. 1950 befand sich dort die Schreinerei von Johann Odenbach. Die Metzgerei wurde 1956 nach Krefeld verlagert. 1966 entstand aus dem Saal ein Lebensmittelgeschäft, 1978 ein Getränkemarkt. Nach Übernahme der Gaststätte durch Marlies Wendt im Jahr 1974 gab es noch mehrere Wirte, die die Gaststätte bewirtschafteten; 2001 wurde die Gastronomie dann aufgegeben. An der Ecke Martin-Rieffert-Straße / Brauereistraße betrieb Familie Blassen von 1951 bis 1976 eine Tankstelle und heute noch eine Schlosserei.
Wilhelmstraße
1930 Martin-Rieffert-Straße
