Die Straße ‚Im alten Erzstift‘ ist eine von der Krefelder Straße abgehende Stichstraße, die als Sackgasse endet. Auf dem Grund und Boden des heutigen Wohngebiets befand sich früher der Nutzgarten und Bongert (Obstwiese) von Maria Hausmann. Nach ihrem Tod wurde das Wohnhaus abgerissen, das Gelände verkauft und mit Doppelhaushälften und Reihenhäusern bebaut.
Durch das Umlegungsverfahren Nr. 22 und den Bebauungsplan Nr. 59 W – südlich Katharina-Esser-Straße – waren Wohnbaugrundstücke für 11 Gebäude entstanden, zum Teil für mehrere Wohneinheiten. Eine entsprechende fortlaufende Nummerierung der Hausnummern für diese Gebäude von der Krefelder Straße aus wäre nur mit vielen Zusätzen wie a, b, c, d usw. möglich. Die Vergabe eines neuen Straßennamens wurde daher erforderlich.
Am 7.5.2013 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss, die neue Straße im Bereich des Bebauungsplanes 59 W – südlich Katharina-Esser-Straße – Im alten Erzstift zu benennen. Mit diesem vom Stadtarchiv vorgeschlagenen Namen sollte daran erinnert werden, dass alle vier Altgemeinden viele Jahrhunderte lang zum Rheinischen Erzstift des Kurfürstentums Köln gehörten.
Die allmähliche Herausbildung eines weltlichen Territoriums durch die Kölner Erzbischöfe ist eng verknüpft mit dem ottonisch-salischen Reichskirchensystem. Nach Aufständen mehrerer Herzöge übertrug Otto der Große 953 seinem Bruder Brun die Stadt und das Erzbistum Köln zusammen mit dem Herzogtum Lothringen. Es gelang den Kölner Erzbischöfen nicht, diesen großen Landkomplex dauerhaft gegen die anderen lokalen Machthaber wie die Herzöge von Jülich, Kleve und Geldern zu behaupten.
Übrig blieb letztlich ein schlauchartiger Streifen entlang des Rheins von Rheinberg im Norden bis Rolandseck im Süden, in dem sie die Landeshoheit ausübten. Dieser Streifen war auch bekannt unter dem Namen „Rheinisches Erzstift“. Alle vier Willicher Altgemeinden gehörten spätestens seit 1392 zu diesem Erzstift. Willich gehörte zum Amt Linn, Schiefbahn zum Amt Liedberg, Neersen und Anrath schließlich waren Bestandteile der Herrlichkeit Neersen, welche sich seit 1502 im Besitz der Herren, später Grafen von Virmond befanden. Das Kurfürstentum Köln existierte offiziell bis zum Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Das alte Erzstift war bereits 1801 im Frieden von Luneville an das napoleonische Frankreich abgetreten worden.
