Am 7. März 1889 beschloss der Rat der Gemeinde Willich, im Nordosten des Dorfes einen neuen Marktplatz zu errichten. Die Gründe für diese Entscheidung sind nicht dokumentiert, aber zwei Entwicklungen dürften den Ausschlag gegeben haben:
Zum einen nahmen die Pläne für den Neubau der Pfarrkirche St. Katharina immer mehr Konturen an; bereits 1882 hatte sich ein Kirchenbauverein gegründet, und die ursprünglich angedachte Vergrößerung der alten Kirche wich immer mehr der Idee eines Neubaus. Welche Ausmaße dieser Neubau haben würde, war aber völlig unklar, und eine wesentliche Verkleinerung des alten Marktes schien durchaus möglich. Also bot es sich an, einen neuen Marktplatz zu errichten und damit etwaigen Problemen aus dem Weg zu gehen.
Zum anderen ging es der Gemeinde Willich gut. So heißt es im Verwaltungsbericht des Jahres 1894: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse der Gemeinde Willich sind im Allgemeinen gesunde und zwar aus dem Grunde, weil neben einer fast ausschließlich Nahrungs- und Genussmittel produzierenden, also den Schwankungen nicht so sehr unterworfenen Industrie eine auf rationeller Betriebsweise beruhende Landwirtschaft steht.“ Von solch einer positiven Sichtweise konnten die Anrather wenige Kilometer weiter westlich mit ihrer darbenden Textilindustrie nur träumen.
Die Gemeinde verfügte also sowohl über die Möglichkeiten als auch die Mittel, sich einen neuen, repräsentativen Platz zu leisten. Außerdem bot sich nun erstmals die Möglichkeit, alle bislang im Ort verteilten und schlecht untergebrachten öffentlichen Gebäude an einer Stelle zu bündeln.
So erwarb die Gemeinde vom Schreiner Joseph Leeuw und aus dem Pastoratsfonds der Pfarrgemeinde St. Katharina rund 30 Ar Land für einen Kaufpreis von insgesamt 6.840 Mark. Auch der Name des neuen Platzes wurde festgelegt: Kaiserplatz. Gleichzeitig erhielten auch die Wilhelmstraße (heute Martin-Rieffert-Straße) und die Friedrichstraße ihren Namen – eindeutig eine Reminiszenz an das „Dreikaiserjahr“ von 1888, in dem die beiden Kaiser Wilhelm I. und Friedrich III. verstarben und der junge Wilhelm II. den Thron bestieg.
Noch im selben Jahr wurde der Platz angelegt, die zu ihm hinführenden Straßen, also die Peterstraße und die Friedrichstraße, wurden neu angelegt oder ausgebaut. Im November 1889 waren die Arbeiten abgeschlossen und der Platz wurde mit Lindenbäumen bepflanzt.
Es wurde auch ein neues Rathaus gebaut. Das Willicher Rathaus war seit 1884 in der vollständig umgebauten und aufgehübschten Scheune des Bäckermeisters Adams am Markt untergebracht. Doch bereits wenige Jahre später platzte das Gebäude, das auch noch die Sparkasse beherbergte, aus allen Nähten. Überlegungen, ein größeres Gebäude anzupachten, wurden bald verworfen. Außerdem verfügte die Gemeinde ja bereits über Grundstücke am Kaiserplatz, um hier ein neues, großes, repräsentatives Rathaus zu bauen.
Am 21. Mai 1891 fasste der Gemeinderat Willich den entsprechenden Beschluss. Die Grundsteinlegung erfolgte bereits am 29. August 1891 und im Sommer des folgenden Jahres konnte der neue Verwaltungssitz fertiggestellt werden. Die Kosten betrugen 25.350 Mark. Wie schnell die Gemeinde Willich in dieser

Bau des Spritzenhauses © Stadtarchiv Willich
Zeit wuchs mag man daran erkennen, dass auch dieser Bau bald zu klein wurde und bereits 1909 durch den Anbau zweier Diensträume erweitert wurde. 1916 erfolgte dann noch die Aufstockung des Hintergebäudes.
Wie schon erwähnt, bot der neue Platz der Gemeinde die Möglichkeit, alle öffentlichen Gebäude an einem Ort zu vereinigen. So wurde ebenfalls 1892 unmittelbar neben dem Rathaus ein neues Spritzenhaus und direkt daneben ein neues Polizeigefängnis gebaut. Das Spritzenhaus scheint jedoch eine Fehlplanung gewesen zu sein; wahrscheinlich erwies es sich in der Praxis als viel zu klein. Nur so lässt es sich erklären, dass bereits 1908 genau

Kaiserplatz 1916 © Stadtarchiv Willich
gegenüber auf der anderen Seite des Kaiserplatzes ein neues Gerätehaus samt Übungsturm errichtet wurde. Das alte Spritzenhaus wurde in der Folgezeit nur noch als Lager- und Geräteschuppen genutzt. 1938 wurde der Platz mit Ahornbäumen bepflanzt, die Gehsteige plattiert.
1951 wurde der Rathausvorplatz neu gestaltet, vier Jahre später ein Parkplatz eingerichtet. 1961 beschloss die Gemeinde, die Kirmes weg vom Kaiserplatz hin zum Festplatz an der Bahnstraße zu verlegen. Im selben Jahr, am 26.10.1961, beschloss der Rat den Ausbau des Kaiserplatzes, also die Kanalisierung und Befestigung. 1965 wurde das Feuerwehrgerätehaus um einen großen Anbau erweitert.
Am 24.2.1976 beschloss der Stadtrat der Stadt Willich auf Antrag der CDU-Fraktion, den Kaiserplatz in Konrad-Adenauer-Platz umzubenennen. Aufgrund zahlreicher Proteste aus der Bevölkerung machte der Rat diesen Beschluss am 29.4.1976 wieder rückgängig.
Im August 2006 rief die Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb für die Umgestaltung des Platzes aus. Zum Jahresende 2015 wurden die Arbeiten auf dem Kaiserplatz abgeschlossen. Aufgrund der dann anstehenden Umgestaltung des Marktes wurde der Willicher Wochenmarkt Anfang 2018 vorübergehend zum Kaiserplatz verlagert.
Der Kaiserplatz verläuft von der Peterstraße in südöstliche Richtung bis zur Friedrichstraße.
Kaiserplatz seit 1889
