Als 1146 die zweite Willicher Pfarrkirche erbaut wurde, war sie höchstwahrscheinlich das einzige Bauwerk auf dem heutigen Markt. Erst später entstanden die Wohnhäuser des Pastors und des Küsters, welches auch unter dem Namen ‚Offermannshaus‘ bekannt war.
Von einer regelrechten Bebauung des Marktes ist erstmals 1424 die Rede. Damals existierten vier Hofgüter: Das ‚Sonterbeyns Guot‘, das ‚Goitzwyns Guot‘, das ‚Teyndeners Guot‘ und das ‚Guot to Strithove‘.
1620 gab es im Dorf bereits 32 Häuser, der heutige „Markt“ war aber immer noch weitgehend unbebaut.
In den Jahren 1838 bis 1841 erfolgten die Pflasterung des Willicher Marktplatzes und die Erstellung der Bürgersteige. 1844 wurde das Spritzenhaus abgerissen und an der Grabenstraße oder Peterstraße oder 1908 am Kaiserplatz? am Tonneickhof neu errichtet. 1889 erfolgte eine Neupflasterung des ‚Markt‘ mit Niedermendiger Basaltsteinen.
Seit 1886 findet auf dem Markt das jährliche Schützenfest des ASV (Allgemeiner Schützenverein) Willich statt.
1916 kaufte die Gemeinde Häuser rund um die Pfarrkirche auf, um diese anschließend abzureißen. Hintergrund war der Wunsch, die Pfarrkirche von den vielen sie umgebenden kleinen Häusern freizulegen.
An der Nordseite des Marktes standen um die Jahrhundertwende 1900:
- Markt 1 Haus Sartorius
- Markt 3 Drogerie und Zigarrenhandel Arnold Schmitz
- Markt 4 Uhrmacher und Goldschmied Hören
- Markt 5 Kupferschmied Merks
Unmittelbar an der Kirche standen:
- Grootens Eck (an der Ecke zur Kreuzstr.)
- Haus Scheulen
- Haus Lambertz
- Haus Kreutzer (altes Rathaus)
Am 08. März 1933 wurde der ‚Willicher Markt‘ umbenannt in ‚Hindenburgplatz‘. Die Häuser an der Ecke Markt / Kreuzstraße riss die Gemeinde am 27. März 1935 ab. Im Juli 1941 zerstörten eingeschlagene Sprengbomben fünf weitere Häuser.
1960 stellte die Gemeindeverwaltung ihre Pläne zur Neugestaltung des Marktplatzes vor. Im Mittelpunkt der Planung stand der Abriss der restlichen Häuser am Nordschiff von St. Katharina, so das erste alte Rathaus. Diese Maßnahme wurde bis Mitte der 1960er Jahre umgesetzt.
Der zunehmende Autoverkehr in dieser Zeit stellte die Gemeinde vor neue Pläne. So wurde der vom Planungsbüro Dr. Orth entwickelte Plan für den Ausbau des Parkplatzes an der Kirche im Gemeinderat heftig kritisiert, die vorgesehenen 20 Stellplätze seien viel zu wenig (Gemeinderat am 16. Mai 1966).
Aufgrund des langwierigen Genehmigungsverfahrens für den Flächennutzungsplan hing die dringend notwendige Neugestaltung des Willicher Marktes lange in der Schwebe, ehe Ende der 1970er Jahre endlich mit den Planungen begonnen werden konnte, zumal nun definitiv feststand, dass es keine neuen Mittel geben und somit die gewachsenen Ortskerne der Altgemeinden auf Dauer als städtebauliches Aushängeschild dienen würden. Ziel der Planungen müsste es sein, zum einen den Durchgangsverkehr in den Ortszentren zu reduzieren oder sogar gänzlich zu verbannen, zum anderen die Attraktivität durch eine ansprechende Pflasterung sowie eine neue Bepflanzung, Möblierung und Beleuchtung der Straßen zu erhöhen.
Schließlich verabschiedete der Planungsausschuss 1984 ein Verkehrskonzept, das die Einrichtung einer weiträumigen Fußgängerzone im Bereich ‚Markt‘, Bahnstraße (bis Burgstraße), Peterstraße (bis Kaiserplatz) und Kreuzstraße (bis Dammstraße) vorsah. Nun formierte sich aber der Widerstand der Geschäftsleute, die aufgrund fehlender Parkmöglichkeiten in Geschäftsnähe eine Abwanderung der Kaufkraft befürchteten. So wurde das Konzept nochmals geändert, und der im Dezember 1985 verabschiedete Rahmenplan sah nun die Ausweisung einer verkehrsberuhigten Zone vor.
Im Herbst 1987 begann man im Bereich Peterstraße / Markt / Bahnstraße mit den Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung und Verschönerung des Ortskerns. Diese sahen vor allem eine neue Pflasterung des Marktplatzes und der abgehenden Straßen, zusätzliche Bäume und Pflanzkübel, die Aufstellung von Gaslaternen und Ruhebänken sowie die Abgrenzung der Fahrgasse mit Pollern vor. Am 28. Oktober 1989 wurde die Sanierung des Willicher Marktes mit einer offiziellen Einweihung abgeschlossen. Seitdem wurde in Rat und Verwaltung fortwährend über Wege und Möglichkeiten diskutiert, wie die Attraktivität des Marktes gesteigert werden könnte. So verlegte man noch im selben Jahr den Wochenmarkt vom Kaiserplatz auf den Markt.
Im Juni 2012 beschloss der Stadtrat dann endlich ein ‚Integriertes Handlungskonzept‘, das in mehreren Workshops unter Beteiligung der Willicher Bürger entwickelt worden war. Noch im Dezember 2012 genehmigte der Planungsausschuss ein Sofortprogramm, nach dem der Markt sowie Teile von Bahn-‚ und Peterstraße ab Anfang 2013 versuchsweise in eine Fußgängerzone umgewandelt werden sollten. Die verschiedenen Überlegungen mündeten schließlich in einen Beschluss des Stadtrates am 08. April 2014, eine Bürgerbefragung zur zukünftigen Gestaltung des Willicher Marktes durchzuführen. Dafür sollte jeder Alt-Willicher und Wekelner Haushalt einen Stimmzettel erhalten, auf dem die Bürger die Wahl zwischen den Varianten ‚Markt autofrei‘ und ‚Markt mit Autoverkehr‘ hatten. Die Auszählung der Bürgerbefragung am 09. 09. 2014 ergab bei einer Wahlbeteiligung von 54,56% eine Mehrheit von 52,6% für den autofreien Markt, 47,4% stimmten für einen Marktplatz mit Verkehr.
Im nächsten Schritt wurden mehrere Architekturbüros aufgefordert, Entwürfe für eine zukünftige Gestaltung des Marktes einzureichen. Am 18. Mai 2015 entschied sich eine Jury für den Entwurf des Krefelder Büros ‚KraftRaum‘.
Nur wenig später, am 17. Juni 2015, gründete sich eine Bürgerinitiative ‚Pro Kugelahorne am Willicher Markt‘. Die Initiative setzte sich dafür ein, die vorhandenen 20 Kugel-Ahornbäume auch im Rahmen der vorgesehenen Neugestaltung des Marktplatzes an ihrem Standort zu erhalten. Zur Erreichung dieses Ziels führte die Initiative ein Bürgerbegehren durch und sammelte mit der Fragestellung ‚Sollen die 20 Kugelahorn-Bäume auf dem Willicher Marktplatz am jetzigen Standort erhalten bleiben und nur dann gefällt werden, wenn sie krank sind?‘ 3.777 Unterschriften. Einen Kompromissvorschlag, sämtliche Kugelahorne umzupflanzen, lehnte die Initiative ab. Da der Stadtrat am 26. November 2015 beschloss, dem Bürgerbegehren nicht zu entsprechen, wurde ein Bürgerentscheid notwendig, der auf den 24. Februar 2016 terminiert wurde. Dabei erhielt die Bürgerinitiative 4.128 Stimmen und verfehlte damit die notwendigen 6.227 Stimmen (15% der wahlberechtigten Willicher). Damit war die Bürgerinitiative mit ihrem Vorhaben, die Fällung der Bäume zu verhindern, gescheitert. Am 03. Februar 2017 legte man die Bäume schließlich nieder.
Die Arbeiten zur Umgestaltung begannen Ende Januar 2018. Der Markt mit einem portugiesischen Granit neu gepflastert. Sitzgruppen und eine langgestreckte Tafel laden zum Verweilen ein. Durch die Autofreiheit und die entsprechend weggefallenen Poller wirkt der Markt weitläufiger und Raum für zusätzliche Außengastronomie ist entstanden. Die Einweihung erfolgte im Rahmen des Bürgerfestes ‚Kunst im Kern‘ am 25. Mai 2019. Wenig später, am 28. Juni 2019, fand hier erstmals im Stadtgebiet ein Feierabendmarkt statt.
1424 Willicher Markt
1933 Hindenburgplatz (bis ??)
Marktplatz
1984 Markt
