Willich

Kleine Geschichte von Willich
Die Entstehungsgeschichte von Willich reicht bis ins 11.Jahrhundert zurück. Zu dieser Zeit vermuten Historiker die Gründung einer Kirche.
Die erste namentliche Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1137, als der Ritter Reiner dem Kloster Kamp seinen Hof in Wylike schenkte.

Das Kirchspiel Willich war um 1298 Teil der Grafschaft Hülchrath und gelangte 1318 mit dem ganzen Amt Linn an Johann von Kleve.
1392 erwarb der Kölner Erzbischof das Amt Linn und damit auch Willich.
Mehr als 400 Jahre lang gehörte der Ort fortan zum Kurfürstentum Köln

Verwaltungsmäßiger Schwerpunkt war der Fronhof des Kölner Domprobstes am Grunewall,
der ungefähr am heutigen Kreisverkehr Bahnstraße lag.
Hier mussten die meisten Bauern ihre Abgaben entrichten und hier tagte auch ein dompröbstliches Hofgericht.
Daneben ist aber auch für das 13. und 14.Jahrhundert ein Willicher Schöffengericht bezeugt.

Der eigentliche Nukleus des Ortes war aber die höchstwahrscheinlich 1146 als romanische Basilika erbaute Pfarrkirche.
Diese Kirche hatte einen enormen Sprengel, umfasste dieser doch ursprünglich auch Kaarst und Osterath.
Zum Kirchspiel Willich gehörten vier Honschaften:
Die Große Honschaft, die Streithöver Honschaft, die Kraphauser Honschaft und die Hardter Honschaft.
Bis zu ihrer Auflösung 1801 waren sie die untersten Verwaltungsbezirke.

Die Landesherrschaft des Kölner Erzbischofs endete mit der Besetzung des linken Rheinlands
durch die französischen Revolutionstruppen 1794.
Mit dem napoleonischen Verwaltungsgesetz von 1800 wurde Willich eine Mairie (Bürgermeisterei)
des Kantons Neersen im Arrondissement Krefeld, welches wiederum zum Département de la Roer mit dem Hauptort Aachen gehörte.
1814 mussten sich die Franzosen zurückziehen, und auf dem Wiener Kongress wurde das ganze Rheinland preußisch.
Dabei wurde Willich dem Kreis Krefeld zugeordnet, der wiederum 1929 im Landkreis Kempen-Krefeld aufging.

Von allen vier Stadtteilen war Willich am meisten von der Landwirtschaft geprägt,
was auch auf die hohe Qualität der Anbauflächen zurückzuführen ist.
Daneben war Willich aber auch ein Zentrum des Brauereiwesens – schon im 19.Jahrhundert gehörten die Brauereien Dicker,
Schmitz und Hausmann zu den bedeutendsten Wirtschaftsbetrieben des Ortes.
Aufgrund der Rohstoffknappheit im Ersten Weltkrieg fusionierten die drei Unternehmen 1917.
Durch den Zusammenschluss mit der Hannen-Brauerei aus Korschenbroich 1920 entstand eine der größten Altbierbrauereien Deutschlands.

Mit der Reichsgründung von 1871 erfolgte eine Phase des Ausbaus und der Modernisierung,
die letztlich bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 andauern sollte.
1872 erhielt Willich sein erstes Krankenhaus, 1877 wurde es ans Eisenbahnnetz angeschlossen.
1892 konnte das neue Rathaus am Kaiserplatz bezogen und 1897 ein eigenes Gaswerk in Betrieb genommen werden.
Seit 1910 verband eine Straßenbahnlinie Willich mit Krefeld im Norden und Schiefbahn im Süden.
Auch die Einwohnerzahl stieg in jener Epoche stetig an,
so dass in der Pfarrgemeinde der Wunsch nach einer neuen, größeren Kirche laut wurde.
1899 wurde das alte Gotteshaus abgebrochen und 1901 die neue Pfarrkirche St.Katharina geweiht.

Durch die Ansiedlung des Stahlwerks Becker im Jahre 1908 wurde die Landgemeinde Willich
schlagartig zu einem Standort der Schwerindustrie.
Im Ersten Weltkrieg produzierten hier fast 3.000 Arbeiter für die Kriegsindustrie – 1917 erwirtschaftete
das Unternehmen einen Reingewinn von rund sieben Millionen Reichsmark.
Mit dem Tod des Firmengründers Reinhold Becker 1924 verschlechterte sich die Lage und 1932 musste das Stahlwerk schließen.
Später produzierten hier die Deutschen Edelstahlwerke – mit dem Kriegsende 1945 endete auch die Zeit der Stahlproduktion in Willich.

Im Zweiten Weltkrieg war Willich, trotz des hier produzierenden Stahlwerks, nur vereinzelt Ziel von Luftangriffen.
Dabei kam es vor allem am Markt und an der Brauerei zu schwereren Schäden.
Am 1.März 1945 wurde der Ort von amerikanischen Soldaten besetzt,
wobei es durch vereinzelten Widerstand auch noch zu zahlreichen Zivilopfern kam.

Nach dem Kriegsende litt Willich an der allgemein unzureichenden Versorgung mit Nahrung, Heizmitteln und Lebensgütern,
außerdem mussten rund 1.300 Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten untergebracht und versorgt werden.
Die Versuche der Gemeinde, neue Gewerbebetriebe anzusiedeln erlittenen einen Rückschlag,
als die britische Besatzungsbehörde 1948 das gesamte Stahlwerksgelände beschlagnahmte, um dort einen Pionierpark zu errichten.

Erst Mitte der 1950er Jahre konsolidierte sich die Lage,
so dass die Gemeinde – mit zunehmend wachsender Einwohnerzahl – ihre Infrastruktur ausbauen konnte.
Als besondere Maßnahmen sind hier der Neubau des Katharinen-Hospitals (1963) und die Errichtung eines Hallenbads (1965) zu nennen.
Der einzige Rückschlag in dieser allgemeinen Aufwärtsentwicklung war die Bekanntgabe der Hannen-Brauerei,
ihre Braustätte nach Mönchengladbach verlagern zu wollen.
Der Weggang der Hannen-Brauerei sollte aber durch die Ausweisung des Gewerbegebiets Münchheide in den 1970er Jahren mehr als kompensiert werden.

1970 ging Willich in der neu gebildeten Stadt Willich auf.
Die Einwohnerzahl des Stadtteils hat sich seitdem von 15.000 auf rund 22.400 erhöht.
Ausschlaggebend dafür war die Begründung des neuen Wohngebiets Wekeln, wo 1996 die ersten Bauten entstanden.

Mit freundlicher Unterstützung vom Willicher Stadtarchivar Udo Holzenthal.

Die Kommentare wurden geschlossen