Neersen

Kleine Geschichte von Neersen
Seinen Namen verdankt der kleinste Ortsteil der Stadt Willich der Niers. Hier, im Grenzbereich zwischen Kurköln und Jülich,
entstand im 11.Jahrhundert auf einer künstlich aufgeschütteten Erhöhung mitten im Sumpfgelände ein Wehrturm.
Dieser auch „Motte“ genannter Wehrturm wurde im Laufe des 13.Jahrhunderts durch eine spätromanische Burg ersetzt.
Um die Burg herum entstand im Laufe der Jahrhunderte dann eine kleine, ursprünglich „Neerstraß“ genannte Siedlung.

Die exponierte Lage der Burg nutzten die 1250 erstmals urkundlich erwähnten Herren von Neersen
zur Errichtung einer weitgehend selbständigen Herrschaft, zu der neben dem Dorf Neersen auch der Flecken Anrath gehörte.
Nachfolger der Herren von Neersen wurden 1502 die Freiherren und späteren Grafen von Virmond.
Es war dann auch ein Freiherr von Virmond namens Adrian Wilhelm,
der die baufällig gewordene Burg zwischen 1661 und 1669 in ein dreiflügeliges Schloss umbauen ließ.

Adrian Wilhelm vor Virmond war es auch,
der 1652 den Bau einer ersten Kirche in Neersen stiftete und einige Jahre später im Ort den Minoritenorden ansiedelte.
Daneben unterstützte er auch den befreundeten Priester Gerhard Vynhoven beim Bau seiner Kapelle in der Eickerheide.
Mit dem Tod von Ambrosius Franz Friedrich von Virmond 1744 starb das Geschlecht aus,
und die Herrschaft Neersen fiel zurück ans Kurfürstentum Köln.

Schon 50 Jahre später endete mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen die kurkölnische Herrschaft.
1800 wurde Neersen nicht nur eine „Mairie“,
sondern auch Sitz eines 11 Bürgermeistereien umfassenden Kantons innerhalb des Arrondissement Krefeld,
welches wiederum zum Département de la Roer mit dem Hauptort Aachen gehörte.
Auch in kirchlicher Hinsicht brachte diese Zeit große Umwälzungen:
Das Minoritenkloster wurde aufgelöst, gleichzeitig aber Neersen 1798 zur eigenständigen Pfarre erhoben.

Auf dem Wiener Kongress wurde das Rheinland Preußen zugeschlagen, und Neersen wurde Teil des Kreises Krefeld.
Doch schon 1819 erfolgte eine Verlagerung zum Kreis Gladbach, 1929 schließlich zum Kreis Kempen-Krefeld.

Sowohl Landwirtschaft als auch Industrie hatten in Neersen bis zum 19.Jahrhundert einen schweren Stand.
Das sumpfige Gelände war bis zur Melioration des Bruchgeländes kaum für den Ackerbau geeignet,
und die 1852 im Schloss eingerichtete Baumwollspinnerei wurde bereits sieben Jahre später bei einem Brand restlos vernichtet.
Eine längere Geschichte war der 1866 von Gustav Klemme gegründeten Rheinischen Velvetfabrik beschieden:
sie war mit rund 450 Beschäftigten viele Jahrzehnte lang das mit Abstand größte Unternehmen im Ort.

1890 ließ Klemme Ostflügel und Mittelbau von Schloss Neersen wieder aufbauen und wohnte fortan auch im alten Adelssitz.
Der Westflügel blieb dagegen bis zum Wiederaufbau durch die Stadt Willich in den 1970er Jahren Ruine.
Nach dem Tod von Gustav Klemme ging es mit der Velvetfabrik stetig abwärts.
1927 musste das Unternehmen Konkurs anmelden.

Der Zweite Weltkrieg führte in Neersen kaum zu Schäden, der Ort wurde am 2.März 1945 kampflos von den Amerikanern besetzt.
Mehrere ausgebombe Betriebe aus Mönchengladbach siedelten sich in den leerstehenden Werkshallen der Velvetfabrik an,
Neersen wurde aber zu keinem Zeitpunkt ein regelrechter Industriestandort.

Dafür wurde die landwirtschaftliche Nutzung nach der Verlegung der Niers Anfang der 1930er Jahre intensiviert.
Mitten im Zweiten Weltkrieg, 1940 und 1942, wurden der Gemeinde Neersen die Siedlungen Grenzweg und Cloerbruch zugeschlagen.

Wie in den anderen Stadtteilen wuchs auch in Neersen die Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg stetig an,
nicht zuletzt durch die Aufnahme von ca. 750 Flüchtlingen und Vertriebenen aus den ehemaligen Ostgebieten.
Es entstanden neue Wohngebiete, vor allem im Bereich Virmondstraße und am Hörenweg.
So verdoppelte sich die Einwohnerzahl von rund 2.800 bei Kriegsende auf knapp 5.600 im Jahre der Kommunalen Neugliederung.
Zu den größten Bauprojekten der Nachkriegszeit gehörten die neue Volksschule an der Pappelallee (1954),
die neue Pfarrkirche (1962) und die neue evangelische Kirche (1967).

Der Kommunalen Neugliederung stand Neersen eher skeptisch gegenüber.
Da man bei der vom Land angestrebten „Viererlösung“ befürchtete, von den größeren Stadtteilen untergebuttert zu werden,
strebten Rat und Verwaltung einen freiwilligen Zusammenschluss mit der Gemeinde Anrath an,
der jedoch vom Land nicht genehmigt wurde.
So ist Neersen seit dem 1.1.1970 Bestandteil der neu gegründeten Stadt Willich.

Mit freundlicher Unterstützung vom Willicher Stadtarchivar Udo Holzenthal.

Die Kommentare wurden geschlossen